Netzwerkvielfalt im Active Recruiting – Teil 1

Der Fachkräftemangel hat ein neues Rekordniveau erreicht. Im Frühjahr 2022 waren in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Stellen unbesetzt. Ein Anstieg von fast 43,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (siehe Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung). Nur auf Stellenanzeigen zu setzen reicht oft nicht mehr aus, um den Personalbedarf zu decken. Immer mehr Unternehmen greifen deshalb auch auf das Mittel der Direktansprache zurück, um geeignetes Personal zu finden. Der Konkurrenzdruck beim Kampf um Fachkräfte steigt also und Recruiter müssen kreativ werden und neue Wege finden, um sich aus der Masse an Talentjägern abzuheben.
Dennoch nutzt ein Großteil der Recruiter aktuell ausschließlich Business Netzwerke zum Active Sourcing. Nur 3% geben an, dass Sie auch weitere Plattformen und Netzwerke verwenden (siehe Uni Bamberg).

Business Netzwerke

Sourcing auf Business Netzwerken wie Angellist, Xing oder LinkedIN hat durchaus Vorteile: Ähnlich wie eine klassische Bewerbungsmappe enthält ein Kandidatenprofil auf Business Netzwerken in der Regel viele für Recruiter*innen relevante Informationen: Von der Ausbildung über Arbeitserfahrung bis hin zu Fähigkeiten und Fremdsprachenkenntnissen.
Doch beim Active Sourcing ausschließlich auf Business Netzwerke zu setzen, bringt auch Nachteile mit sich. Viele Kandidat*innen werden auf den Business Netzwerken nahezu überschüttet mit Anfragen, weshalb sie sich zunehmend von ihnen verabschieden. Zudem sind Angaben auf Business Netzwerken nur schwer verifizierbar und leicht manipulierbar, denn hier gewinnt nicht der beste Kandidat, sondern der, der weiß wonach Recruiter*innen suchen. Bereits 2019 zeigte die Social Recruiting und Active Sourcing-Studie der Uni Bamberg, dass vor allem Jüngere ihre Profile gezielt an Suchanforderungen von Recruiter*innen anpassen. Knapp 40% der Befragten der Gen Z gaben damals an, schonmal Anforderungen aus einer Stellenanzeige für das eigene Profil übernommen zu haben. 21 % gaben sogar zu, bereits bewusst falsche Informationen in ihrem Profil veröffentlicht zu haben (siehe Uni Bamberg).

Doch wie kannst Du weitere Informationen zu Kandidat*innen finden oder abseits der Business Netzwerke Talente entdecken? Die Antwort: Netzwerkvielfalt. In diesem 3-teiligen Artikel wollen wir Dir zeigen, wie Du beim Active Sourcing von unterschiedlichen Netzwerktypen profitierst, was die verschiedenen Netzwerkgruppen voneinander unterscheidet und für welche Zielgruppe sich welches Netzwerk lohnt. In diesem Teil 1 werden wir die Gruppe der IT und Tech Netzwerke genauer betrachten.

IT/Tech Netzwerke

Anders als die Business Netzwerke haben IT Netzwerke nicht primär den Zweck, Geschäftskontakte zu ermöglichen, sondern dienen in erster Linie dem Wissensaustausch. Aus diesem Grund unterscheiden sich diese Netzwerke in der Art der Informationen die sie Dir zu Kandidat*innen liefern stark von klassischen Business Netzwerken. Um besser zu verstehen, wie IT Netzwerke funktionieren und welche Recruiting-relevanten Daten sie enthalten, schauen wir uns hier zwei dieser Netzwerke mal etwas genauer an.

Github und Gitlab

Github und Gitlab sind Plattformen für Source Code Management, d.h. Nutzer können hier ihren Quellcode hosten und verwalten. Beide Plattformen beruhen, wie die Namen bereits vermuten lassen, auf sogenannter „Git“ Technologie. Diese dient der Versionsverwaltung und ermöglicht es Entwicklerteams, gemeinsam an einem Coding-Projekt zu arbeiten, da alle Versionsverläufe automatisch gespeichert und zusammengefügt werden. Damit ist auch klar wer die Zielgruppe dieser Plattformen ist: Du findest hier primär Entwickler*innen sowie andere Berufsgruppen, die direkt am Code arbeiten wie zum Beispiel Data Scientists. Andere Arten von ITlern, wie Systemadministrator*innen, sucht man hier vergeblich.

Nutzerprofile auf den Git-Plattformen enthalten meist eine kurze Biografie, eine Ortsangabe, weiterführende Links zu Social Media Profilen oder der eigenen Homepage des Nutzers sowie vereinzelt auch Informationen zum aktuellen Arbeitgeber des Talents. Darüber hinaus sind für Recruiter*innen vor allem die Projekte der Nutzer*innen, Repositories genannt, interessant. Aus den Repositories lassen sich die Fähigkeiten der Nutzer*innen in Bezug auf bestimmte Programmiersprachen ablesen. Doch keine Angst: Hierfür sind keine Programmierkenntnisse notwendig. Die Talentwunder[App] analysiert z.B. automatisch, welche Programmiersprachen die Nutzer*innen in ihren eigenen Repositories verwenden. Außerdem wird analysiert, welche Programmiersprache wie häufig angewandt wurde und wie die Bewertung der Community zu den einzelnen Repositories ausgefallen ist. D.h. Du kannst nicht nur erkennen, mit welchen Programmiersprachen sich jemand schwerpunktmäßig beschäftigt, sondern auch wie ihr/sein Skilllevel bezüglich der einzelnen Programmiersprachen tatsächlich ist.

Hier zeigen sich Vor- und Nachteile beim Active Sourcing auf IT Netzwerken. Recruiter*innen können tiefe Einblicke in die Programmierfähigkeiten von Entwickler*innen bekommen und die angegebenen Fähigkeiten sind mithilfe von Auswertungen und Community-Bewertungen verifizierbar. Diesen Informationsvorsprung wiederum können Recruiter*innen für eine individuelle und persönliche Ansprache nutzen, um ihre Antwortrate bei viel gesuchten Zielgruppe der Entwickler*innen zu steigern. Informationen zu Jobtiteln sucht man auf diesen Netzwerken hingegen oft vergebens. Die Suchstrategie für diese Netzwerkgruppe sollte deshalb Skillbasiert und nicht Titelbasiert sein.

Tipp: Am erfolgreichsten ist Sourcing auf Fachnetzwerken, wenn es gemeinsam mit der Fachabteilung umgesetzt wird. Die Ansprache durch Fachkollegen wirkt authentischer und kann in Bezug auf technische Fragestelllungen auf Augenhöhe stattfinden.

Dein Talentwunder-Team
(Dieser Artikel ist Teil einer Serie – der zweite Teil erscheint Ende Juli 2022.)

Du möchtest mehr darüber erfahren, in welchen Netzwerken Du Kandidat*innen am besten erreichen kannst? Dann vereinbare doch einfach eine Demo zu unserer Talentwunder[App]. Wir zeigen Dir gern, wie Du erfolgreicher und gezielter sourcen kannst.